«Erleben Sie den Markt selbst»

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110 godina diplomatskih odnosa Srbije i Švajcarske
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Jelena Sadler von der Schweizerisch- Serbischen Handelskammer erläutert die Chancen für Schweizer Firmen in Serbien.

Was reizt Sie an der Aufgabe als Chefin der Schweizerisch-Serbischen Handelskammer?

- Meine Karriere war schon immer international. Ich habe als Arzt begonnen und anschliessend viele Jahre in den internationalen Medien bei CNN gearbeitet. Während meines gesamten Berufslebens hatte ich das Glück, mit Menschen aus verschiedenen Kulturen, Ländern und Hintergründen zu arbeiten. Was mich an dieser Rolle gereizt hat, ist die Möglichkeit, Brücken zu bauen. Die Schweiz und Serbien verbindet eine starke Beziehung, die auf Vertrauen, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und zwischenmenschlichen Verbindungen beruht. Zu dieser Beziehung beitragen zu können, ist sowohl beruflich erfüllend als auch persönlich bedeutsam.

Wer sind Ihre Mitglieder?

- Heute zählen wir rund achtzig Mitgliedsunternehmen. Sie reichen von globalen Schweizer Marken wie Nestlé, Roche und Ringier bis hin zu innovativen KMU, Start-ups und erfolgreichen serbischen Unternehmen, die eng mit der Schweiz zusammenarbeiten. Das stetige Mitgliederwachstum spiegelt den Wert der Schweizerisch-Serbischen Wirtschaftsbeziehungen und das wachsende Interesse an Serbien als Wirtschaftsstandort wider.

«Der Talentpool ist stark, und es gibt eine wachsende Innovationskultur.»

Welche Unterstützung bieten Sie Schweizer Unternehmen, die nach Serbien kommen?

- Eines der wertvollsten Dinge, die wir bieten, ist Zugang. Wir helfen Unternehmen, sich mit potenziellen Geschäftspartnern, Investoren, Branchenexperten, staatlichen Institutionen und wichtigen Entscheidungsträgern zu vernetzen, die ihr Wachstum und ihre Entwicklung in Serbien unterstützen können. Wir teilen auch praktische Markteinblicke und Erfahrungen von Unternehmen, die bereits erfolgreich in Serbien investiert haben. Manchmal kann eine einfache Vorstellung oder ein Gespräch monatelange Unsicherheit überwinden.

Welche Branchen entwickeln sich aktuell besonders dynamisch?

- Die Beziehung zwischen der Schweiz und Serbien wird zunehmend vielfältiger. Während die IT-Branche weiterhin eine wichtige Erfolgsgeschichte bleibt, sehe ich enormes Potenzial im Gesundheitswesen, in den Lifesciences, in

der fortschrittlichen Fertigung, in der Agrarwirtschaft, bei den erneuerbaren Energien, im Ingenieurwesen und bei nachhaltigen Technologien. Schweizer Unternehmen erkennen zunehmend die Leistungsfähigkeit serbischer Talente und das wachsende Innovationsökosystem des Landes. Es gibt viel Raum für neue Partnerschaften in diesen Bereichen.

Welches sind die häufigsten Missverständnisse betreffend Serbien?

- Viele Menschen sehen dieses Land immer noch hauptsächlich als kostengünstigen Produktionsstandort. In Wirklichkeit hat sich Serbien weit darüber hinaus entwickelt. Der Talentpool ist stark, der Unternehmergeist beeindruckend, und es gibt eine wachsende Innovationskultur.

Gibt es einen typischen Aha-Moment für Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer beim ersten Besuch in Serbien?

- Ja, absolut. Viele kommen mit begrenzten Erwartungen an und sind regelrecht überrascht von dem, was sie vorfinden. Sie entdecken hoch qualifizierte Fachkräfte, dynamische Unternehmen und Menschen, die äusserst anpassungsfähig und lösungsorientiert sind. Die grösste Überraschung ist oft das Mass an internationaler Erfahrung und Professionalität, das sie antreffen.

«Viele Unternehmen sind regelrecht überrascht von dem, was sie hier vorfinden.»

Was würden Sie einem Schweizer KMU empfehlen, das eine Expansion nach Serbien erwägt?

- Erleben Sie den Markt selbst: Treffen Sie Menschen, besuchen Sie Unternehmen und sprechen Sie mit Schweizer Firmen, die bereits hier tätig sind. Serbien bietet ausgezeichnete Möglichkeiten, aber Erfolg entsteht durch das Verständnis des lokalen Umfelds und den Aufbau starker Partnerschaften. Wir arbeiten zudem eng mit der Schweizer Botschaft in Belgrad zusammen, mit Botschafterin Anne Lugon-Moulin und ihrem engagierten Team, die auch eine gute Zusammenarbeit mit wichtigen Ministerien und relevanten Institutionen im Land pflegen. Es gibt jedoch keinen Ersatz dafür, vor Ort zu sein und die Chancen mit eigenen Augen zu sehen.

Wie steht es um Rechtssicherheit und Bürokratie?

- Serbien hat in den letzten zehn Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Viele Verwaltungsabläufe sind effizienter und digitalisierter geworden, was Unternehmen hilft, effektiver zu arbeiten. Natürlich würden sich Unternehmen überall weniger Bürokratie und mehr Vorhersehbarkeit wünschen. Aber insgesamt spricht die Tatsache, dass viele Schweizer Unternehmen ihre Präsenz hier weiter ausbauen, für sich selbst.

Es gibt im Land politische Spannungen und häufige Demonstrationen.

- Unternehmen legen immer Wert auf Stabilität, aber die meisten Investoren denken langfristig. Unsere Mitglieder konzentrieren sich weiterhin darauf, ihre Tätigkeiten zu führen und auszubauen. Serbien hat in verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Zyklen Widerstandsfähigkeit gezeigt, und Investoren richten ihren Blick auf die Grundlagen: Talente, Infrastruktur, Wettbewerbsfähigkeit und langfristiges Potenzial. Wirtschaftlich bleibt Serbien das regionale Zentrum des Balkans, und Unternehmen schätzen diese etablierte Position.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit der Expo 2027?

- Die Schweiz war das erste Land, das seine Teilnahme an der Expo 2027 unterzeichnet hat. Es ist eine bedeutende wirtschaftliche Chance für Serbien. Sie wird internationale Aufmerksamkeit bringen, Unternehmen, Investoren und Innovatorinnen und Innovatoren aus aller Welt anziehen und neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit schaffen. Für Schweizer Unternehmen bietet sie eine ausgezeichnete Plattform, um Innovation, Technologie, Nachhaltigkeit und Expertise zu präsentieren. Der eigentliche Erfolg der Expo wird jedoch nicht nur am Anlass selbst gemessen werden, sondern an den Partnerschaften, Investitionen und Geschäftsbeziehungen, die auch lange nach ihrem Ende weiter bestehen, sowie am Publikum, das sie anziehen wird.

*Anlässlich des 110-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Serbien veröffentlichte die zur Ringier AG gehörende führende Schweizer Wirtschaftszeitung „Handelszeitung“ eine zwölfsseitige Sonderbeilage mit dem Titel „Standort Serbien“. Die Publikation versammelt relevante Gesprächspartner aus Serbien und der Schweiz und bietet einen Überblick über die wachsende wirtschaftliche Partnerschaft zwischen den beiden Ländern.

110 godina diplomatskih odnosa Srbije i Švajcarske
110 godina diplomatskih odnosa Srbije i Švajcarske (Foto: Mitar Mitrović / Ringier)
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